Für die zweite Woche unserer Osterferien haben wir uns vorgenommen, einen Roadtrip ins Zentrum Australiens zu machen. Nicht nur die kleine, abgelegene Stadt „Alice Springs” sondern auch der „Uluru”, „The Olgas”, „Kings Canyon” und die „West Macdonnell Ranges” gehörten zu unseren Zielen. Zunächst war das Ziel noch weit entfernt. Sehr weit!
Am Montagmorgen haben Fabian, sein Bruder Tobias und Ich uns auf den Weg zum Flughafen gemacht um dort unser Leih-Campervan abzuholen. Unseren Ford Falcon konnten wir die Woche über kostenlos dort stehen lassen. Vor uns hatten wir nun eine 2400km lange Fahrt, die wir laut unseres Plans in zwei Tagen absolvieren wollten. Fahren durften leider nur Tobias und Ich, da Fabian noch keine 21 Jahre alt ist und man einen Leihwagen erst mit 21 fahren darf. Am ersten Tag schafften wir es nach ewig geradeausführenden Straßen und einer kurzen Fährenüberfahrt bis „Burra”, einem kleinen Ort, der sich noch nicht im Geringsten in der Nähe des „Centers” befand. Mehr als 900km haben wir heute nicht geschafft. Das hieß, dass wir am nächsten Morgen vor Sonnenaufgang die Fahrt fortsetzen mussten. Die Straßen wurden noch länger und langsam hat man gemerkt, dass sich auch die Landschaft um einen herum veränderte. Es wurde teilweise trockener, unbewachsener und die Erde bekam einen Rotton. Autos hat man nicht mehr wirklich oft gesehen und so wurde es zur Gewohnheit, jedes andere Auto zu grüßen. Unser Campervan hat nicht wenig Benzin geschluckt – getankt werden musste also mindestens alle 500km. Eine Tankaktion habe ich noch sehr genau im Gedächtnis. Wir haben das Auto vollgetankt und nach knapp 10 Minuten weiterfahrt hat Fabian in die Runde geworfen: “Hat eigentlich einer von euch bezahlt?” Tobias und ich sind stark davon ausgegangen, dass Fabian wieder mal ‘nen Scherz macht, da er getankt hat uns somit eigentlich auch hätte zahlen müssen. So scherzhaft kam es aber dann doch nicht rüber und wir mussten ernsthaft umdrehen. Der Tankwart hat nicht einmal gemerkt, dass wir noch nicht gezahlt haben. Wie gesagt, die Straßen waren nicht sehr dicht befahren und an unserer Zapfsäule hat nach uns noch kein weiteres Auto getankt. Glück gehabt. Je weiter wir in den Norden kamen, desto mehr suizidgefährdete Heuschrecken haben sich plötzlich vor unser Auto geschmissen. Schrecklich :D Also mussten wir auch noch alle 100km unsere Windschutzscheibe freikratzen. Einen weiteren Tankstopp haben wir in „Coober Pedy”, einer Stadt, die viele Gebäude aufgrund der Hitze unter der Erde gebaut hat, eingelegt. Mehr als eine Kirche konnten wir uns wegen des Zeitdruckes jedoch nicht ansehen. Die Fahrt hat sich immer mehr gezogen und wir sind erst nach 18h Autofahrt am „Ayers Rock Resort” angekommen. Dort haben wir uns einfach auf einen Campingplatz gestellt und versucht schnell zu schlafen.
Am nächsten Morgen wollten wir uns nämlich den Sonnenaufgang am „Uluru” anschauen. Der „Uluru”, auch „Ayers Rock“, ist ein für die Aborigines heiliger großer Inselberg aus Sandstein in der zentralaustralischen Wüste im „Northern Territory“. Wir haben uns also auf den Weg zum National Park gemacht, Eintritt bezahlt und das Naturspektakel beobachtet. Die ersten Sonnenstrahlen treffen zunächst den „Uluru“, was ihn hell rot aufleuchten lässt. Tagsüber sind wir 14km um den Berg gewandert und haben uns angeschaut, wie die Aborigines den Berg interpretiert und an ihm gewohnt haben. Das Ganze wurde am Abend durch den Sonnenuntergang getoppt, wo der „Ayers Rock“ in einem noch viel intensiveren Abendrot leuchtete. Die kommende Nacht haben wir ein weiteres Mal im Resort verbracht und sind am nächsten Morgen zu einem „Lookout“ gefahren, von dem man „The Olgas“ beim Sonnenaufgang betrachten konnte.
Die Olgas sind ähnlich, wie der „Ayers Rock“ eine sogar noch größere Felsformation, die von weitem aussieht, als wäre es ein einziger Berg. Von den (meist deutschen) Touristen ziemlich genervt, haben wir uns etwas ausgesucht, wo man den Menschenmengen ein bisschen aus dem Weg gehen konnte. Wir sind zu den Olgas gefahren und haben den kompletten „Round walk“ begonnen. Erst dort konnte man erkennen, dass die einzelnen Berge in Wirklichkeit weit auseinander stehen und sich in den Zwischenräumen riesige Täler befanden. Es sah aus wie in dem Film „In einem Land vor unserer Zeit“. Auch an einem Fluss und einigen Wasserlöchern sind wir vorbeigekommen, wo wir zur Erfrischung eine Badepause gemacht haben. Es war ungewöhnlich viel Wasser in den Becken, wenn man bedenkt, dass man mitten in der Wüste war. Erschöpft von dem 3 Stunden langen „Walk“ mussten wir heute noch 600km hinter uns bringen, um am Abend am „Kings Canyon“ anzukommen.
Der „Kings Canyon“ war eines meiner Lieblingsziele. Riesige Felsschluchten und eine Landschaft die aussah, wie auf dem Mond. Mitten in der Schlucht befanden sich wieder Wasserlöcher wie zum Beispiel unter Anderem der „Garden of Eden“. Jetzt konnten wir verstehen, wieso sich die Aborigines hier eingenistet haben. Schattige Plätze mit wunderschönen Palmen und Fahnen und dazu noch das wichtigste, was man in der Wüste braucht – Wasser! Wir haben jede Badegelegenheit ausgenutzt und auch hier schlugen wir zu. Ausruhen war am Abend wieder nicht angesagt, da wir weiter über „Alice Springs“ zur „Ormiston Gorge“ in die „West Macdonell Ranges“ mussten. Leider konnten wir mit unserem Leihwagen keine „Dirtroad“ fahren und mussten letztendlich einen 400km Umweg fahren. Naja – Katzensprung.
Die Nacht haben wir auf einer gratis „Campsite“ verbracht, wo wir aber nicht sehr lange geblieben sind, da es auf zum nächsten Walk ging. Stundenlanges laufen durch Täler und über Berge war angesagt. Irgendwann kamen wir jedoch an eine Stelle, an der es nicht wirklich weiterging. Wir standen vor einem vollem Wasserloch, nur aufgrund des starken Regens, eine Woche zuvor, diesen Wasserstand erreicht hat. Eine Tourführerin hat uns erzählt, dass man normalerweise durch das Wasser laufen kann doch dafür war es um einiges zu tief. Wir mussten also unsere Rucksäcke packen und an der steilen Felswand am Rande entlang klettern. Beim durchschwimmen wären die Sachen einfach zu nass geworden. Vielen bunten Papageien, Echsen & „Long-nosed Dragons“ sind wir über den Weg gelaufen. Spät nachmittags sind wir ein weiteres Mal zu der kostenlosen „Campsite“ gefahren, da sie sowieso auf dem Weg lag. Dort haben wir drei Amerikaner und eine Polin getroffen, mit denen wir am Abend noch zusammengesessen und ein paar Bier getrunken haben.
Am leider letzten Tag sind wir zu einem Wasserloch namens „Big Hole“ gefahren, welches anscheinend immer ein wenig mit Wasser gefüllt ist, da es eine schattige Lage in einer Schlucht hat. Die Sonne hat geknallt, Fabian hat Fische geangelt und wir sind immer wieder zur Abkühlung von der aggressiven Hitze ins Wasser gesprungen. Am frühen Abend mussten wir bedauerlicherweise unseren Rückweg nach „Alice Springs“ antreten, wo sich gleichzeitig die Rückgabestation des Leihautos befand. Für die Nacht haben wir auf einem Campingplatz eingecheckt, um am Abend noch gemütlich Essen gehen zu können und das Nachtleben des eigentlich so ruhig scheinenden „Alice Springs“ kennenzulernen. Empfohlen wurde uns die Bar „Bojangles“. Durch eine Saloontür sind wir in die Bar gelangt und es kam mir vor als seien wir irgendwo im Nirgendwo. Waren wir auch irgendwie… An den Wänden hingen alte, zerschossene Schilder, Cowboyhüte, Waffen und „Ned Kellys“ Schritt konnte man gratis Erdnüsse entnehmen. Wir hatten einen super Abend – 6 „Jugs“ später ging es dann mit dem Taxi zurück zum Campingplatz.
Am nächsten Morgen haben wir noch die letzten Sachen im Auto zusammengeräumt, da wir für 8 Uhr die Abgabe des Fahrzeuges abgemacht haben. 20 Minuten vor Rückgabe musste mir natürlich ein fast unsichtbares Stück Zaun in die Seite des Autos rennen. Super :-/ Naja wirklich ärgern konnten wir uns nicht, da wir viel zu müde waren und zum Glück war das Auto Vollkasko versichert, so dass wir für den Vorfall nur $75 Bearbeitungsgebühr zahlen mussten. Danach ging alles recht schnell. Taxi zum Flughafen, Flieger zurück nach Melbourne, Falcon bis vor die Haustür. Die schöne Zeit ist vorbei doch wir haben so viel unternommen, so viel gesehen und jede Menge einzigartige Erfahrungen gesammelt, die wir nie wieder vergessen werden.



















































































